Die Martinskirche

Anfahrt

Die Martinskirche ist im Ortskern, in der Brunnenstraße 4, zu finden. An der Kirche gibt es einige Parkplätze, diese sind am besten über die Kirchstraße zu erreichen. Sollten sie belegt sein, gibt es in unmittelbarer Nähe noch einen öffentlichen Parkplatz.

Eine Lagebeschreibung finden Sie hier.

 

 

Geschichte der Martinskirche

Die Martinskirche

„In honorem sancti martini est dedicata illa ecclesia anno domini 1481

Bertholdus Dieringer plebanus  Heinrich Wieland lapicida”.

 

Über dem Eingang zum Kirchsaal lesen wir diese Inschrift in lateinischer Sprache, der zufolge unsere Kirche im Jahr 1481 zu Ehren des Hl. Martin geweiht worden ist. Namentlich genannt sind der Pfarrer Berthold Dieringer und der Steinmetz Heinrich Wieland. Aus dieser Zeit stammen auch der ebenfalls vom Steinmetz Wieland geschaffene Taufstein und die Grabplatte des Pfarrers Dieringer, die heute im Treppenaufgang zur Empore aufgestellt ist. Offenbar wird die Kirche damals neu gebaut. Mit Sicherheit hatte sie aber eine oder mehrere Vorgängerinnen, denn der Namenspatron Martin deutet auf eine Gründung bereits in der fränkischen Zeit (6./7. Jhdt.) hin.

 

Vor der Reformation gehört die Gechinger Kirche zum Landkapitel Weil der Stadt des Bistums Speyer.

 

In der Mitte des 15. Jahrhunderts kauft das württembergische Kloster Herrenalb den Ort Gechingen von den Tübinger Pfalzgrafen. Als die Reformation 1534 nach Württemberg kommt, kommt sie daher auch nach Gechingen. Die Gemeinde wird dem Dekanat Calw zugeordnet, dem sie bis heute angehört. Eine Inschrift am Turm erzählt von einem verheerenden Blitzeinschlag im Jahr 1561.

 

Magister Daniel Ziegler ist Pfarrer von 1566 bis 1577. Er führt als erster ein Eheregister, ein Taufregister und ein Totenregister. Magister Johann Martin Pommer feiert 1723 mit 10 Kindern die erste Konfirmation in Gechingen.

 

Im Jahr 1743 wird die Kirche vergrößert und erneuert. Unterlagen dazu gibt es nicht. Der einzige Hinweis ist eine Rose aus rotem Sandstein mit der Jahreszahl 1743, die über dem Kirchsaaleingang zu sehen ist. Magister Christoph Heinrich Klinger kommt 1772 als Pfarrer nach Gechingen und bleibt 56 Jahre. Dies ist die mit Abstand längste Amtszeit in der Gemeindegeschichte.

 

Nachfolger wird 1828 sein Sohn Heinrich Theodor Klinger. Auch ihm ist mit 34 Jahren eine außergewöhnlich lange Amtszeit beschieden. In den Jahren 1865 bis 67 wird die ursprünglich romanische Kirche im spätgotischen Stil durchgreifend umgebaut. Sie verlängert sich bei diesem „halben Neubau“ um 12 Meter, so dass zusätzlicher Raum für 120 Personen entsteht. Im Verhältnis zum erheblich vergrößerten Schiff wirkt nun der Turm etwas klein. Schon 1875 sind die Mittel vorhanden, ihn von 24 auf 42 Meter zu erhöhen. Seither ist unsere Kirche in ihrer äußeren Gestalt unverändert.Zug um Zug hält moderne Technik Einzug. 1893 wird eine Heizung eingebaut, 1914 kommt das elektrische Licht.

 

Die Jahre des Nationalsozialismus (1933 – 1945) sind eine sehr schwierige Zeit. Auch in Gechingen stehen Pfarrer und Gemeinde unter dem Druck der herrschenden Ideologie. Einer der ersten Gechinger Gefallenen des 2. Weltkrieges ist Pfarrer Karl Lilienfein.

 

In den letzten Kriegstagen erleidet der Ort einen Luftangriff, bei dem 7 Menschen ihr Leben verlieren. Neben einigen anderen Gebäuden wird auch die Kirche erheblich beschädigt. Sie kann nur notdürftig repariert werden.

 

In den Jahren 1953 und 1954 wird das Kircheninnere grundlegend umgestaltet. Durch die Entfernung der riesigen Emporen kommt die Schönheit des Schiffs neu zur Geltung. Die Orgel wird auf die Seitenempore versetzt, und auf der Westseite entsteht durch eine Trennwand der für die Gemeindearbeit dringend benötigte Kirchsaal.

 

1981 feiert die Gemeinde „500 Jahre Martinskirche“ (siehe oben). Den Festvortrag hält der legendäre Landeshistoriker Prof. Dr. Hansmartin Decker-Hauff.

 

1984 wird das lange ersehnte Gemeindehaus eröffnet und seither intensiv mit Leben gefüllt.

 

Die vorerst letzte Renovierung unserer Kirche ist im Jahr 2005. Dabei wird der Kirchplatz neu asphaltiert, eine neue Heizung wird eingebaut, und im vorderen Teil werden einige Bänke ausgebaut und durch Stühle ersetzt, so dass der Raum z. B. für neue Gottesdienstformen flexibler gestaltet und genutzt werden kann.

 

Autor: Tilman Schwarz