Evangelische Kirche Gechingen: Visitation 2017 - wohin geht die Reise?

Ein Bericht von Reinhold Klass

Ein befreundeter Pfarrer erklärte mir vor ein paar Jahren die Bedeutung einer Visitation mit folgendem Zitat: „Wenn ich meine Schwiegermutter besuche, ist das eine Visite, wenn meine Schwiegermutter mich besucht, ist es eine Visitation“. 2017 ist es nun soweit: in Gechingen besucht Dekan Erich Hartmann die ev. Kirchengemeinde mit dem Ziel einer Visitation. Worum geht es dabei? Die Visitation ist eine Art Generalcheck unserer Gemeinde. Es wird beobachtet, hinterfragt, verstanden, aufgeschrieben und analysiert, wie unsere Kirchengemeinde Gechingen funktioniert. Dabei geht es nicht darum, dass der Dekan wissen will, wie es um uns steht - viel wichtiger ist: wir wollen dies wissen. Wir wollen erkennen, was gut läuft (damit wir dies erhalten und stärken können) und wo es Probleme, Schwachstellen gibt (damit wir diese lösen oder verbessern können).

 

 

Diese Visitation läuft in 4 Schritten ab:
1.) Gemeindeforum (19.2.17): Das war eine Art Leistungsschau. Dort wurde gezeigt, was unsere Beteiligungsgemeinde so alles auf die Füße stellt.
2.) Bericht der Gemeindeleitung (März/ April 2017): Hier beschreibt der Kirchengemeinderat die Kirchengemeinde in einem durch das Dekanat vorgegebenen Formular. Dieser ist fast 20 Seiten lang und kann nach Fertigstellung gerne an alle Interessierte verteilt werden.
3.) Besuchswoche Dekan (25.4.- 28.4.17) Hier kommt Herr Dekan Hartmann (und teilweise der Schuldekan Herr Trautwein) eine Woche nach Gechingen, nimmt an Veranstaltungen teil (z.B. KGR) und führt viele Einzelgespräche mit Gechinger Bürgern und Verantwortlichen der Kirchengemeinde.

4.) Abschlussbericht (11.5.17): Dekan Hartmann überbringt und erklärt uns seine Beobachtungen und Empfehlungen in einer Sondersitzung des KGR.
Das Wichtigste aber kommt danach: Wir als KGR überlegen, was wir mit diesen Erkenntnissen machen wollen. Wie geht es eigentlich unserer Gemeinde? Wie geht es der evangelischen Kirche in Gechingen ? Ein wichtiger Punkt dabei ist die Anzahl der Mitglieder. Dazu haben wir die folgende Übersicht erstellt. Das Schaubild zeigt die Entwicklung von Zahlen in den letzten Jahren:

•Einwohner in Gechingen (grau dargestellt)
•Einwohner Gechingen evangelisch (grün dargestellt)
•Einwohner Gechingen katholisch (rot dargestellt)
•Mitglieder im Kirchenbezirk Calw evangelisch (hellgrün dargestellt)

Was sagen uns diese Zahlen?
1.) Die Einwohnerzahl in Gechingen geht nach einigen Schwankungen wieder leicht aufwärts.
2.) Die Mitgliederzahl der katholischen Kirche in Gechingen ist leicht steigend.
3.) Die Zahl der evangelischen Gemeindeglieder ist stark fallend. Dabei fällt auf, dass sie im Kirchenbezirk gesamt sogar noch schneller fällt, als in Gechingen. Besonders erschreckend ist die relative Entwicklung. So waren 1970 noch 73% der Gechinger evangelisch, heute sind es nur noch 48%. Das heißt: vor ca. 50 Jahren waren 3 von 4 Bewohnern Gechingens evangelisch, heute ist es nicht einmal jeder
zweite.
Wie begegnen wir diesem Rückgang? Was sollen wir jetzt tun? Auf diese Fragen gibt es 2 mögliche Antworten:
Option a: Wir stellen uns darauf ein und verwalten den Mangel. So reagiert unsere Kirchenleitung derzeit. Es gibt einen sogenannten Pfarrplan, der wesentliche Einsparungen und Stellenkürzungen vorsieht. Anstrengungen, den Trend umzukehren werden leider nicht aufgezeigt.


Option b: Wir überlegen uns, was die Ursachen sind und versuchen, den Trend umzukehren oder wenigstens zu stoppen. Das ist meiner Ansicht nach der bessere Weg. Wir können das Ergebnis unserer Visitation 2017 nutzen, um hier kreative Vorschläge und Maßnahmen zu starten.

 

 

Die Kirche (und damit meine ich uns, die Mitglieder) hat in Gechingen schon viel erreicht und unsere Beteiligungsgemeinde ist deutlich sichtbar. Das zeigte unser Gemeindeforum mit knapp 160 ehrenamtlichen Mitarbeitern. Sie tragen in folgenden Gruppen Verantwortung: Anbetungs-Team, Besuchsdienst älterer und kranker Menschen, Begräbnischor, Bibelpartner, Donnerstagskreis, Familiengruppe „Family“, Frauenkreis, Frauenfrühstück, Gemeindereisen, Glaubenskurs, Grünes Team (Versorgung der Grünanlagen), Hauskreise, Himmelgrün (Gemeindebrief), Jugendarbeit (VCP Pfadfinder, Jungschar, VIP etc.), Kassettendienst (heute USB-Sticks), Kinderkirche, Kirchenchor, Kirchengemeinderat, Kirchenkaffee, Kleine Kirche, Konfirmandenarbeit, Kutina-Gruppe, Liturgie-Team, Montags-Café, Montags-Lädle, Mutter-Kind-Gruppe, Organisten, Posaunenchor, Salzband (Band von Konfirmierten), Skifreizeit (SnowCamp und Familenfreizeit), Weltgebetstag, Technisches Team, VOCO-Chor.

Bei genauer Betrachtung sehen wir, dass es dies alles (noch) gibt, aber einige Bereiche schwächeln und sind vom „Aussterben“ bedroht. Wenn wir dies alles erhalten wollen (und dafür plädiere ich) müssen wir uns dafür einsetzen, dass die Themen gestärkt werden und nicht verfallen. Ich glaube, es ist wichtig dafür zu kämpfen, und nicht den Kopf in den Sand zu stecken und den „Mangel zu verwalten“ (Option a).

 

Wie sollen wir das anstellen?
Zunächst können wir uns eines klar machen: Unser Herr heißt Jesus Christus. Er ist auch der Herr unserer Kirche, er ist sozusagen unser „Vorstandsvorsitzender“. Und damit haben wir einen riesigen Vorteil gegenüber anderen Organisationen, Vereinen, Firmen, die ja auch oft an Umsatzproblemen und Mitgliederschwund leiden. Er gibt uns einen neuen Geist in unser Herz, seinen Geist der uns neue Energie, Kraft, Ideen gibt mit jeder noch so schwierigen Situation umzugehen.

Was ist das Ziel?
Das Ziel ist klar: wir möchten den Glauben an Jesus Christus
in die Welt tragen. Unser sogenanntes „Mission Statement“
(ein Begriff aus der internationalen Unternehmenskultur, auf
Deutsch: Unternehmensleitbild) heißt „Mission“, und das
fängt in Gechingen an. Einfacher und klarer geht es nicht.
Mit diesen Vorbedingungen können wir uns auf den Weg machen.

Wer darf mitmachen?
Ganz einfach: Jede/r ist herzlich eingeladen mitzumachen. Wir sind dabei, im KGR ein Komitee „Einladende Kirche“ zu gründen. Dort wollen wir Ideen sammeln, wie diese „Option b“ vorangetrieben werden kann. Ich freue mich über jeden, der sich bei mir meldet, um dabei zu sein. Und dann können wir gespannt sein, wohin Gott uns führen wird.